Trends der Pharmaindustrie

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Durch Diversifizierung aus der Krise

Knapp zwei Drittel der Führungskräfte in der Pharmaindustrie sind überzeugt: Die Pharmaindustrie steckt momentan in einer strategischen Krise. Die Gesundheitssysteme stehen unter massivem Kostendruck, die Anforderungen der Patienten steigen und die Unternehmen müssen immer höhere Summen in die Neuentwicklung von Medikamenten investieren. Ein weiterer entscheidender Faktor kommt hinzu: Bis zum Jahr 2013 laufen die Patente von Medikamenten aus, die 50 Prozent des Umsatzes ausmachen. Bis 2015 werden es sogar 75 Prozent sein.

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat diese Entwicklungen genauer untersucht. Insgesamt befragten die Berater dazu 50 Topentscheider aus der Pharmabranche. Als einen möglichen Ausweg aus der Krise nennen in der aktuellen Studie mit dem Titel „Fight or Flight“ 67 Prozent der befragten Vorstände die weitere Diversifizierung.

Doch was bedeutet Diversifizierung überhaupt? Die Studie unterscheidet drei Dimensionen: Risikominderung, Innovation und Integration. Im Moment bevorzugen danach Unternehmen hauptsächlich die Risikominderung. So kauft die Branche vermehrt Generikahersteller und Consumer-Health-Unternehmen auf und investiert parallel in neue Märkte. Diversifizierung bei der Innovation hat zweite Priorität, während Integrationsstrategien noch nicht auf der Agenda stehen. Immerhin 60 Prozent der Entscheider überdenken nach dieser Studie nun die traditionelle Strategie, die auf patentgeschützten, renditeträchtigen Produkten basiert. Warum tun sie das? – Weil Investitionen in Forschung und Entwicklung nicht die erwartete Rendite bringen werden. Es ist kostspielig und langwierig, neue Medikamente auf dem Markt einzuführen. Wenn die Patente für geschützte Medikamente schließlich auslaufen, muss ein neuer Weg gefunden werden. Die Studie schließt daraus: Diversifizierung wird sich als langfristige Strategie durchsetzen.

Und wie wirken sich die in der Studie beschriebenen Veränderungen auf die Produktionstechnik und den Maschinenbau aus? Eine Folge ist beispielsweise, dass Produktionskapazitäten in Zukunft noch besser ausgelastet werden müssen. Mit anderen Worten: Die Maschinen müssen in der gleichen Zeit mehr leisten, die Produktion muss flexibler werden. Auf dem Prüfstand steht die Gesamtanlageneffektivität (englisch: Overall Equipment Effectiveness, OEE) . Außerdem müssen bestehende Anlagen modernisiert und optimiert werden, um weiterhin effizient zu arbeiten. Die Entwicklung bietet aber auch Chancen. Gerade in den Pharmerging Markets (China, Indien, Brasilien, Russland, die Türkei, Südkorea und Mexiko) steigen die Anforderungen an die Qualität der Produktionstechnik. Wenn die Unternehmen in den Wachstumsmärkten ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben wollen – und dafür spricht einiges –, haben Hersteller von Maschinen, die nach den US-amerikanischen FDA (der behördlichen Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten) oder den europäischen GMP (Good Manufacturing Practice, GMP) zertifiziert sind, sogar die Chance, stärker als der Markt zu wachsen. Die Zukunft bleibt also spannend.